Mainz - Am glücklichsten können sich Bank-Mitarbeiter schätzen. Sowohl bei der Sparkasse als auch bei der VR-Bank und der Mainzer Volksbank bleiben alle Mainzer Filialen am Rosenmontag geschlossen, an Fastnachtsdienstag und Aschermittwoch gelten verkürzte Öffnungszeiten.
Urlaubstage oder Überstunden gehen für dieses Tribut an die Straßenfastnacht aber nicht drauf: Bei den Geldinstituten gibt es diesen Tag einfach geschenkt.
Nicht ganz so gut haben es die städtischen Mitarbeiter getroffen. Zwar bleiben sämtliche Ämter und andere städtische Einrichtungen, die nicht wie Ordnungsamt oder Feuerwehr mit Fastnacht zu tun haben, an Rosenmontag und für Publikumsverkehr auch an Fastnachtsdienstag geschlossen. Doch diese Stunden müssen die Mitarbeiter durch Überstunden oder Urlaub abgleichen.
Auch in Landesbehörden und Ministerien gilt diese Regelung. Türmen sich die Aktenberge, darf zwar jeder in sein Büro. Dass dies ein Mitarbeiter aber tatsächlich tut, hat Bildungsministeriums-Sprecher Wolf-Jürgen Karle selten, der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Gehring noch nie erlebt.
Angst vor Bankräubern
Briefträger hingegen müssen die Sendungen in ihrem Bezirk auch am Rosenmontag ganz regulär zustellen, sagt Post-Sprecher Stefan Heß. Es sei denn, dies ist wegen zu vieler Narren auf der Gass' gar nicht mehr möglich. Dann können die Postler ihre Tour abbrechen - müssen die Zeit am nächsten Tag aber wieder einarbeiten.
Das "Postbank Finanzcenter" in der Bahnhofstraße bleibt zum einen als "Brauchtumstag", aber auch aus Sicherheitsgründen am Rosenmontag dicht, berichtet Sprecherin Iris Laduch-Reichelt, und erinnert an einen Überfall durch maskierte vermeintliche Jecken am Rosenmontag in Köln. Die Dienstzeiten in den privatisierten Filialen in den Stadtteilen bleiben laut Heß den jeweiligen Betreibern überlassen.
Zu den ganz normalen Öffnungszeiten von 7 bis 22 Uhr kann man an den Fastnachtstagen im Bretzenheimer Real-Markt einkaufen. "Allerdings sind das nicht gerade unsere umsatzstärksten Tage, so dass wir auch nicht die volle Personalstärke brauchen", sagt Geschäftsleiter Oliver Ottenritter. Deshalb bekomme jeder, der an Fastnacht lieber feiern als arbeiten wolle, problemlos Urlaub.
Auch Schott stellt es laut Sprecher Klaus Hofmann den meisten Mitarbeitern frei, ob sie die Fastnachtstage frei machen und die Zeit an anderen Tagen einarbeiten, Urlaub nehmen oder auch arbeiten wollen - "so lange die Besetzung an den wichtigen Produktionslinien sichergestellt ist". Mit diesem Verfahren könnten sowohl das Unternehmen wie auch die Mitarbeiter gut leben.
Gute Laune auch bei der Arbeit
Damit mag er Recht haben. Schließlich hat nicht einmal Jürgen Dehnert vom Verdi-Landesverband jemals eine Klage über Arbeitsregelungen an Fastnacht gehört. Womöglich kann den Mainzern an Rosenmontag wirklich nichts die Laune verderben - ob sie nun arbeiten müssen oder dürfen oder auch nicht. Brigitte Specht