Ober-Olm/Klein-Winternheim - Aus die Maus für Fastnachtssitzungen in Ober-Olm und Klein-Winternheim. Wo bislang der Carneval Club Ober-Olm (CCOO) und "Die Chaote" für närrische Umtriebe gesorgt hatten, wird das Jahr 2012 in beiden Gemeinden ein sitzungsfreies werden.
Schrumpfende Helferzahlen und wachsende Vorschriften aus der Welt der Bürokratie machen den Ober-Olmer Aktiven das Leben schwer. Bei den Chaoten kommt eine Gesinnungsverschiebung der Mitglieder hinzu. Doch Fastnacht wird deshalb weder beim einen noch beim anderen vom närrischen Plan gestrichen, nur eben anders zubereitet - jeder auf seine Art.
Zurück zu den Wurzeln hieß es etwa in Ober-Olm am vergangenen Sonntag bei der Wirtschaftsfastnacht in der Ulmenschänke. Auf Einladung des CCOO-Urgesteins Christel Janz ließen es die Vereinsmitglieder im Wirtsraum der Ulmenschänke trotz aller Widerstände krachen. Ihre Solidarität mit dem tot geglaubten CCOO bezeugten zudem Pizzabäcker Ciro Visone, Kneipenwirt Horst Radelli, "Buddy" Becker, Rolli Müller, der Deutsche Michel Bernhard Knab, der Flörsheimer Carneval Verein und Oberchaot Jeremy D. Frei mit seine Ballettmädels.
Viel Bürokratie
Das langsame Ableben des CCOO hatte sich schon im Laufe der letzten Jahre abgezeichnet. GEMA und Ordnungsamt produzierten immer weitere Vorschriften, "sodass wir mittlerweile Schriftkram ohne Ende bewältigen müssen", klagt Petra Hahlbeck, ehemalige CCOO-Pressewartin, das Leid der Aktiven. Obendrein waren immer weniger Helfer bereit, die anfallenden Arbeiten zu stemmen. Da müssen Berge von Brötchen geschmiert, die Garderobe, der Bier- und Sektstand besetzt, Stühle gestellt und die Dekoration gehängt werden. "Und hinter der Bühne müssen die Aktiven betreut werden, der Bär steppt also überall", schildert Hahlbeck.
Am schlimmsten sei der Aufwand bei der Altweiberfastnacht, da sei man schon mal fünfzehn Stunden auf den Beinen und bekomme bis zur nächsten Veranstaltung mit viel Glück drei bis vier Stunden Schlaf. "Zurzeit hängt alles an acht Männern aus dem Vorstand. Etwa 20 bis 30 treue Helfer sind uns geblieben, aber das reicht nicht, das ist ein furchtbarer Kraftakt", bedauert sie.
Wertschaftssitzung war schee
"Aber die Wirtschaftssitzung, die war schee", schwärmt Hahlbeck: Urgemütlich, schön eng und laut. Aber wird sie auch beibehalten? "Keine Ahnung", zuckt Halhbeck mit den Schultern, "das wissen wir noch nicht."Auch bei den Chaote sind anpackenden Hände immer mehr Mangelware, würden aber durchaus noch ausreichen, um die Fastnachtssitzungen wie gewohnt durchzuziehen. "Wir haben hier ein ganz anderes Problem, das aber eher ein Luxusproblem ist", erklärt der Chef der Chaote, Jeremy D. Frei. "Unsere Aktiven wollen lieber auftreten, als drei Tage lang in der Halle aufzubauen. Vor allem der Bühnenaufbau dort ist ein Riesenakt. Wir richten uns so aus, wie die Mitglieder möchten."
Statt eigener Fastnachtssitzungen werden die Chaote also, wie auf der Wirtschaftssitzung in Ober-Olm, lieber selbst auftreten und mitfeiern. Für die Klein-Winternheimer Fastnacht bedeutet das, dass die Chaote dort nur noch beim Straßenumzug vertreten sein werden. Der chaotische Narrentreff am 25. Januar und die Kinderfastnachtssitzung am 05. Februar wird der Verein, wie schon beim Auftakt der Kampagne, zusammen mit dem LCC im Bürgerhaus Lerchenberg feiern. Und in Mainz haben die Chaote noch ein Fastnachtszelt mit buntem Programm geplant. Aber wo es stehen wird, das verrät Frei noch nicht, da der Mainzer Segen noch aussteht.
Antoinette Malkewitz