Da geht den Narren die Kapp' hoch

Mainz - Jürgen Drews tanzt und singt ja auf vielen Partys. Doch dass der selbst ernannte König von Mallorca auf einem Plakat für eine "gigantische Stimmungs- und Abriss Party" unter dem Titel Meenzer Fassenacht wirbt, lässt vielen Vertretern der närrischen Zunft die Kapp' hochgehen.

  • Wo Meenzer Fassenacht drauf steht, sollte auch Meenzer Fassenacht drin sein, meinen viele Vereinsvertreter.

    (Foto: p)

Denn bei der Veranstaltung von Radio RPR1 und der Agentur PRO-E-VENTS am Fastnachtssamstag, 18. Februar, in der Alten Lokhalle bringt der Sänger, dessen Schlager sich noch im Vollrausch mitgrölen lassen, im Reigen von Gleichgesinnten Ballermannstimmung an den Rhein. Und genau das bringt die Hüter des Brauchtums auf die Palme.

"Was will den dieser geliftete, ewig junge Fuzzi hier?", wettert TV-Sitzungspräsident Hans-Peter Betz vom Gonsenheimer Carneval-Verein. "Sich hier hinzustellen und abzukassieren mit nichts anderem als dem üblichen Hüttenzauber und das noch als Meenzer Fastnachtsparty zu verkaufen, ist eine Frechheit. Es geht ja nur ums Singen und Saufen."

Titel ist Etikettenschwindel

"Das ist ein dicker Hund", empört sich auch der Präsident des Mainzer Carneval-Clubs, Horst Seitz. "Etikettenschwindel", nennt es der MCC-Präses. Da werde mit einem Begriff Geld gemacht, für den die Mainzer Fastnachtsvereine jahrzehntelang sehr erfolgreich Einsatz gebracht haben. Doch da der Titel urheberrechtlich nicht geschützt sei, könne man einer Irreführung auch nicht Einhalt gebieten.

Dieser Meinung schließt sich Franz-Josef Schmitt an. Der Präsident des Mainzer Narren-Clubs hofft, dass sich diese Party mangels Zuspruch "von selbst erledigt". Eine Konkurrenz zu eigenen Veranstaltungen fürchtet er nicht. Die MNC-Sitzung an Fastnachtssamstag ist zu 95 Prozent ausverkauft. "Unser Klientel weiß, was sie will", betont Schmitt. Für Richard Wagner, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins, ist die Großparty ebenfalls keine Konkurrenz. "Bei der Rosenmondnacht des MCV tanzen Tausende von Menschen kostenlos in der Stadt", gibt er zu bedenken. Solche Mega-Veranstaltungen stellten für die Veranstalter ein großes finanzielles Risiko dar. Grundsätzlich hat Wagner nichts gegen Fastnachtspartys einzuwenden. Schließlich habe der MCV zehn Jahre mit großem Erfolg in Kooperation mit SWR 3 ein Fastnachts-Rockfestival angeboten. Die Ballermann-Party jedoch unter den Titel Meenzer Fassenacht zu stellen, bezeichnet er als Missbrauch. Anders Johannes Gerster, Generalfeldmarschall der Mainzer Ranzengrade. "Ich bin liberal", betont er. "In der Fastnacht muss alles möglich sein, wenn es niemanden beleidigt. Jeder soll nach seiner Facon feiern." "Bohnebeitel"-Präsident Heinz Meller indes fragt kritisch nach: "Was genau ist denn Meenzer Fassenacht?" Der Begriff sei dehnbar und werde von jedem anders interpretiert. Fakt sei aber: "Mit Humba Tätärä allein lassen sich junge Leute heute nicht mehr begeistern. Wir haben uns ja selbst schon ein Stück von den Traditionen wegbewegt. Und diese Party macht die Fastnacht, wie wir sie verstehen, nicht kaputt."

Von unserer Redakteurin Sabine Jakob

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