Schwellkopp-Casting: Auf die Haltung kommt's an

Mainz - Es geht zu wie bei einer richtigen Casting-Show im Fernsehen. Hübsche Frauen und eloquente Herren urteilen über die Darbietungen: Da sitzt "Sylvie van der Vaart" neben Rudi Henkel, Kay-Uwe Schreiber, Richard Wagner und Dieter Wenger vom Mainzer Carneval-Verein. "Isch wär so gern ä Schwellkoppträscher" ertönt es quasi in einer Dauerschleife.

  • Gar nicht so einfach: Wenn die Schwellkopp-Träger sich am Rosenmontag zu Kindern herabbeugen, dürfen sie dabei nicht umfallen. Außerdem müssen sie sich im Takt der Musik bewegen und sollten nicht zu langsam sein. Foto: Michael Bellaire

    (Foto: Harry Braun)

15 Kandidaten, elf Männer und vier Frauen, bewerben sich als Schwellköpp. Sie wollen am Rosenmontag als eben solche durch die Straßen der närrischen Residenz ziehen. Doch nur zwölf werden gebraucht. Eingeladen zu diesem ersten "Schwellkopp-Casting" hat der Schwellkopp Träscher Club (SKTC).

In drei Prüfungen müssen die Bewerber beweisen, dass sie "würdige Träger des Wahrzeichens der Fastnacht" sind, sagt Gilbert Korte, Präsident des SKTC. Zur Musik schunkeln und Helau rufen - so lautet die erste Aufgabe. Das kann das "Meenzer Meedscher" Dorothee Hahn, die mit der Startnummer 1 ins Rennen geht, nicht schocken. Mit der Unterstützung von zwei Helferinnen zwängt sie sich in einen dieser 27 Kilo schweren Schwellköpp und wird noch etwas wackelig auf den Beinen zur Bühne geführt. Das Juryurteil ist eindeutig: "Man merkt, dass bei Dir Mainzer Blut in den Adern fließt".

"Ich fand die Schwellköpp' schon als Kind toll", begründet sie, warum sie mitmacht. Ins Trainingslager ist die zierliche Mainzerin vorher nicht gegangen. Dennoch fällt ihr Résumé nach dem ersten Durchgang positiv aus: "Die Schwellköpp sind nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nur die Sicht ist sehr begrenzt."

Die zweite Prüfung hat es dann schon in sich. Mit einem Parcours wird simuliert, was die Kandidaten am Rosenmontag erwartet. Sie müssen einem Verkehrsschild ausweichen und aufpassen, dass sie nicht in Pferdeäpfel und Flaschen treten. Das Wichtigste aber ist: Sie müssen sich freundlich zu Kindern herabbeugen. Dabei müssen sie das Gleichgewicht halten.

Zum Schluss geht es dann um die Zeit. "Hier trennt sich die Spreu vom Weizen", kündigt Vereinspräsident Korte an. Am besten meistert diese Herausforderungen ausgerechnet der junge Biebricher Peter Wiendlocha. "Du bist der geborene Schwellkopp", ist sich die Jury sicher. "Das ist eine Riesengaudi, wenn einem jeder zujubelt", sagt das "Super-Schwellkopp-Talent" euphorisch. Trotz des einen oder anderen Tritts direkt in die Pferdeäpfel haben sich alle Kandidaten als würdige Schwellkoppträscher erwiesen. Und auch die drei Ersatzleute kommen zum Einsatz, wenn sie gebraucht werden. Als "Sylvie van der Vaart" brillierte übrigens Melitta Rühn, im normalen Leben Mitarbeiterin der Gebäudewirtschaft Mainz.

Von unserer Mitarbeiterin Katharina Gelhaus

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