Mainz - Hans-Peter Betz, Präsident der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht" hat seinen Vortrag als "Guddi Gutenberg" bereits umgeschrieben.
"Als ich am Donnerstagabend erfuhr, dass die Immunität des Bundespräsidenten aufgehoben werden soll, war mir klar, was kommt." Er fürchtete am Freitagmittag um die Fernsehsitzung. Am Nachmittag dann die Entwarnung: Die Sitzung findet pünktlich statt und wird wohl auch nicht unterbrochen. Denn bereits um 19.25 Uhr sendet das ZDF ein "ZDF spezial" zum Rücktritt des Bundespräsidenten, im Anschluss an "Mainz bleibt Mainz", gegen 0 Uhr folgt ein "heute journal spezial" zum selben Thema.
Betz ärgert sich trotzdem: "Ich habe so schöne Sprüche über den Wulff, die kann ich jetzt alle den Hasen geben." Und wie die CDU-Prominenz am Freitagabend im Schloss drauf sein wird, will er sich gar nicht vorstellen. "Wenn der Präsident einen Arsch in der Hose gehabt hätte, wäre er schon vor Weihnachten zurückgetreten." Und: Er hätte ja mal Rücksicht auf die Mainzer Fassenacht nehmen können.
"Bote vom Bundestag", Jürgen Dietz, ist flexibel. "Ich werde nichts aufwärmen und das in eins, zwei Sätzen kommentieren, erklärt er am Freitagmittag entspannt. Bereits bei der "Mainz bleibt Mainz"-Generalprobe hatte er angedeutet, dass das ganze Wulff-Thema doch "keiner mehr hören könne." Er sieht am Freitagmittag keine Probleme wegen der abendlichen Fernsehsitzung. "Wir sind da eher abgeschirmt", befindet Dietz. Zu allem Überfluss würde schließlich Mainz 05 auch noch parallel zur Fernsehsitzung gegen Hoffenheim spielen.
Rosenmontagswagen wird flott geändert
Bei Wagenbauer Dieter Wenger klingelt das Telefon in Serie. Der kreative Kopf, der für die Rosenmontag-Motivwagen zuständig ist, hat gerade allerhand zu tun. Nicht mit Fastnacht, sondern mit Journalisten. Denn so mancher will den "Umsturz" des Pappmaché-Präsidenten live und in Farbe sehen - in der Wagenhalle des Mainzer Carneval-Vereins (MCV).
Für Wenger ist's okay, der Mann hat Nerven und ist sowieso in Sachen Wulff auf alles vorbereitet. Momentan hängt Wulff noch mit blauem Auge in den Seilen. Allerdings ist der endgültige Fall kein Problem. "Das geht ganz schnell. Das hätten wir selbst am Montag kurz vor Start des Zuges noch geschafft."
Die Handgriffe sind flott erledigt: Der Figur werden die Augen nach außen gerollt und der Text auf dem Schild wird geändert. So schnell wird selten aus einem "Angeschlagen" ein "K.O.".
Auf einen Rücktritt des Bundespräsidenten war Wenger schon seit Wochen ebenso gefasst wie auf die Variante "I'm the King", sagt der Wagenbauer. Die Pressekonferenz um 11 Uhr wollte er übrigens nicht angucken. Nicht nötig: "Hier sind gerade so viele Journalisten, die halten mich auf dem Laufenden." Sagt's und spricht zur Seite:"Von wo kommen Sie denn, Sie mit dem Mikro? Fernsehen, ah ja..." Jochen Dietz/Alexandra Schröder