Mainz - Der Anfang war noch etwas holprig. Aber das wird sich im Laufe seiner knapp achtwöchigen Regentschaft bestimmt noch geben. Johannes Both und Anna Marie Kusche üben noch ein bisschen, das neue Prinzenpaar in der Jubiläumskampagne der Mainzer Ranzengarde. Die Routine wird sich bei dem Maschinenbaustudenten und der Maria-Ward-Schülerin noch einstellen.
Groß, rank und schlank passt er so gar nicht ins Gardemaß der Ranzengarde. Macht aber nix, gehen doch seine Aufgaben in dieser Kampagne weit über das Gardeleben hinaus. Bis Aschermittwoch ist Johannes I. höchstrangiger Botschafter der Mainzer Narretei und das auch jenseits der Stadtgrenzen. Umso besser hat das 23-jährige Sprachtalent natürlich den Meenzer Dialekt drauf. Johannes I. ist ein echtes Eigengewächs der ältesten Mainzer Garde. Sein Onkel Lothar Both ist seit 2000 Präsident.
Ganze Familie bei den Ranzen
Auch Vater Richard und Schwester Katharina marschieren in der Ranzengarde mit. Johannes hat die deutsche und die brasilianische Staatsbürgerschaft und spricht neben meenzerisch und deutsch auch französisch, englisch und portugiesisch. Er studiert im 8. Semester Maschinenbau und absolvierte noch bis vor Weihnachten ein studienbezogenes Praktikum in Paris. Davor war er vier Semester lang Austausch-Student in Lyon. Als Domchorsänger wird er der erste singende Prinz in Mainz sein, der sich auch selbst am Klavier begleiten kann. Die MRZ begleitet das Prinzenpaar durch seine insgesamt 50-tägige Amtszeit bis Aschermittwoch in einem Protokoll ihrer Regentschaft (siehe rechts auf dieser Seite). Nicht weniger als 54 Termine und Auftritte hat das Paar, bis am Aschermittwoch alles vorbei ist.
Reise nach Rom
Dazu gehört auch die Reise nach Rom. Von Dienstag, 17. Januar ,bis Donnerstag 19. Januar, weilen die Hoheiten mit einer Ranzengarden-Delegation in der ewigen Stadt inklusive Audienz bei Benedikt XVI. Am 23. und 24. Januar geht's nach Berlin ins Bundeskanzleramt sowie in die rheinland-pfälzische Landesvertretung. Davor und danach: Sitzungen, Empfänge, Repräsentationen. Und die 54 Termine sind nur vorläufig... "Der Terminkalender wird ständig aktualisiert", sagt Prinzen-Papa Richard Both, der die Termine und Auftritte des Paares managt. "Es wird eine interessante und schöne Aufgabe, da habe ich halt zugesagt, dass ich das mache", erklärt Johannes I. Es treffe sich sogar perfekt, dass er während der Kampagne vorlesungsfreie Zeit hat und sich zwischen den Terminen in Ruhe auf die Klausuren Ende März/Anfang April vorbereiten kann. Dann fängt er wieder an der TU Darmstadt an. Und er sitzt an seinem Praktikumsbericht aus Frankreich.
Anna Marie ist Schülerin an der Maria-Ward-Schule. "Ich wurde angerufen und gefragt, ob ich das machen will. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen", sagt die 18-Jährige lächelnd. Nein, ihre Regentschaft beiße sich nicht mit dem Unterricht. "Das ist mit der Schulleitung abgesprochen. Und bis Aschermittwoch gibt es auch keine Klausuren." Die Prinzenpaar-Pflichten seien ohnehin zum größten Teil an den Wochenenden gefragt. Und ihre Mitschülerinnen fänden es "cool", dass sie das macht, freut sie sich. Einige waren zur Proklamation im Schloss auch mitgekommen. Anna I. ist kein unbeschriebenes Blatt: Fünf Jahre lang schwang sie bei der Kadettensitzung der Ranzengarde das närrische Zepter.
Von unserem Redakteur Jochen Dietz