Narren an der Mainzer Uni: Campusfastnacht ist ausbaufähig

Mainz - So lustig geht es in den Hörsälen der Universität normalerweise wohl kaum zu. Denn in der "Muschel", wo Formeln an der Tafel noch an die Mathematik-Vorlesung der vergangenen Woche erinnerten, fand am Samstag die erste Campus-Fastnacht statt.

  • Über Probleme der Uni referierte Jörg Zender. Foto: Bellaire

Dass es sich bei der Premiere auf dem Campus um keine herkömmliche Sitzung handelte, zeichnete sich schon zum Auftakt ab. Nach dem Einmarsch der als Zebras und Löwen verkleideten Guggemusikern des Rhoirevoluzzer trottete der vermeintliche "Muschel"-Hausmeister (alias Rolf Bidinger) auf die Bühne und verkündete genervt: "Die Sitzung fällt heute aus." Die Veranstalter hätten leider niemanden fürs Komitee gefunden. Als letzte Möglichkeit, den Abend doch noch zu retten, schlug der Hausmeister vor, einen Vorsitzenden aus dem Publikum zu bestimmen. Unter den Zuschauern fanden sich schließlich Frau Kärcher und Herr Schuba, die als "Fauxpas de deux" durch den Abend führten. Obgleich "überhaupt nicht fastnachtserfahren", wie der Ostwestfale und die Schwäbin zugaben, überraschte das Duo mit hochwertiger Musical-Comedy.

Für eine ausgelassene Stimmung auf den Hörsaalbrettern sorgten auch "Die Fleischworscht-athlete" Benny Scholian und David Geis. Für die Neuinterpretationen bekannter Hits wie "Männer mit de Narrekapp" und "Die Kreppel und die Weiber".

Auf die klassische Meenzer Bütt konnten die Zuschauer hingegen lange warten. Stattdessen brachte Thomas Kaiser von den "Meenzer Hutsimpeln" in überdimensionaler Brille und Fliege das Publikum mit seiner Fastnachtsstatistik zum Grölen. Mit der Politik rechnete schließlich Markus Reinbold in seiner Tagesschau ab. Dabei nicht zu kurz kam die bevorstehende OB-Wahl: "Es wird vermutet, dass die FDP sich entweder aufgelöst hat oder mit der Wiesbadener FDP fusioniert ist." Dafür gab es vom Publikum ein kräftiges "Uiuiuiuiuiuiui auauauauau".

Trotz der vielen Höhepunkte ist die Campus-Fastnacht, sofern sie sich etablieren soll, noch ausbaufähig. Mit Pausen dauerte die Sitzung statt der veranschlagten dreieinhalb am Ende knapp fünf Stunden. Sicherlich war auch das ein Grund dafür, dass aus der geplanten Disco im Foyer nichts mehr wurde. Viele Zuschauer waren nach dem Mix aus Kabarett und Fastnacht zu müde zum Tanzen.  Josefine Sack

Hintergrund: Das Geografische Institut hatte die Sitzung in Kooperation mit dem Mainzer Carneval-Verein (MCV) ins Leben gerufen. Der Erlös der Veranstaltung soll zugunsten des Förderkreises Leukämiekranker Kinder und des Dombauvereines gespendet werden. Nach Ansicht der Initiatoren hat sich die Universität der Mainzer Fastnacht in den vergangenen Jahren nur zögerlich angenähert. Mit der Etablierung einer Campus-Sitzung soll sich das künftig ändern. Die Veranstaltung sei daher als Vorstoß gedacht, um zu zeigen, dass das populärste Fest der Stadt mit dem Campus-Alltag durchaus vereinbar sei.

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