Jubiläumsausstellung der Ranzengarde spiegelt 175 Jahre Mainzer Fastnacht wider

Mainz - Ungewöhnliche Klänge und ein ungewöhnliches Bild im Heiligsten des Rathauses:

  • Eins der vielen Exponate der Ausstellung im Rathausfoyer: Die este Marketenderinnenuniform der Mainzer Ranzengarde. Foto: Harry Braun

    (Foto: Harry Braun)

Dreifach donnernde Helaus, Tschingderassabumm von bunten Gardisten, ein Prinzenpaar mit Hofstaat, ein Gardechef auf dem OB-Sessel, ein Generalfeldmarschall und Ex-Kulturdezernent auf den Stühlen, wo sonst Merkator, Eder, Sitte, Grosse & Co. Platz zu nehmen pflegen: Richtig feierlich wurde die Ausstellung 175 Jahre Mainzer Ranzengarde im Rathaus-Foyer im Ratssaal eröffnet.

Bürgermeister Günter Beck lobte Engagement und Bedeutung der Garde über fast zwei Jahrhunderte, erklärte aber auch, dass die Einladung eines Thilo Sarrazin beim närrischen Generalappell der Garde und Johannes-Gerster-Geburtstag am 2. Januar vergangenen Jahres "nicht nach meinem Geschmack" gewesen sei. Und das sei seine ganz persönliche Meinung.

Dass die Fastnacht über die vergangenen 175 Jahre stets ein Spiegelbild der jeweiligen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse war, erklärte der ehemalige Kulturdezernent und Vize-Chef des Bundes Deutscher Karneval Peter Krawietz. Er hatte maßgeblich am Festbuch zum Jubiläum mitgewirkt und attestierte den Ausstellungsmachern, den Stadt- und den Gardearchivaren eine hervorragende Arbeit. Die Gründung der Ranzengarde durch den Freidenker und Demokraten Johann Maria Kertell habe den Beginn der organisierten Fassenacht in Mainz markiert. Vorher waren es eher wilde närrische Umtriebe. Die Fassenacht unter dem Druck einer "misstrauischen Obrigkeit" im vorvergangenen Jahrhundert ließ er ebenso wenig aus wie die Narretei im Nationalsozialismus oder deren Zerrissenheit in den ersten Jahren nach 1945, als man sich nicht einig war, ob es sich geziemt, zwischen Nachkriegselend und Trümmern schon wieder Karneval zu machen. Letztlich behielt die Fastnacht jedoch getreu dem Motto "Freude spenden, Trübsal wenden" die Oberhand. jo

  • Die Ausstellung ist täglich zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen.
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