Im Detail: Zu jung, um schon so blau zu sein

Mainz - Die MRZ war am Rosenmontag mit Experten vom Haus des Jugendrechts auf Alkoholkontrolle.

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    "Ihre Ausweise, bitte": Michael Ehlsen (2. v. r.) vom Haus des Jugendrechts und eine Kollegin kontrollieren auf der Ludwigsstraße.

    (Foto: Claudia Renner)
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    Falsche Freunde: Gruppendruck lässt Jugendliche trinken.

    (Foto: Harry Braun)

Auf dem Platz vor dem Mainzer Hauptbahnhof sitzt ein Mädchen auf dem Boden. Sie ist blass um die Nase, aber nicht von Fastnachtsschminke. Um sie herum ein Pulk von Freundinnen, eine hält die schon zu zwei Dritteln geleerte Flasche mit 16-prozentigem Kirschlikör in der Hand. Es ist 11.40 Uhr. Die Gruppe ist zum Rosenmontagszug angereist, doch davon haben sie noch nichts gesehen. Dafür kümmert sich jetzt die Jugendschutzkontrolle um sie.

Seit 9 Uhr ist Michael Ehlsen, Leiter des Sachgebiets Polizei im Mainzer "Haus des Jugendrechts", mit 24 Kollegen in fünf Gruppen unterwegs. Mit geübtem Blick erkennen sie im Getümmel, wer mit Alkohol unterwegs ist, aber jünger sein könnte, als es das Jugendschutzgesetz erlaubt. Das Prozedere ist immer gleich: Die jungen Leute müssen ihre Ausweise vorzeigen, Personalien werden notiert. Sind sie 16 oder 17, dann war's das mit Wodka und Rum: Die Flaschen werden vor ihren Augen ausgekippt. Wer unter 16 ist, wird auf diese Art sogar seine Wein- und Biervorräte los.

Keine Spaßbremsen

Auch wenn sie jünger aussieht: Das Mädchen auf dem Bahnhofsvorplatz ist 20 und damit selbst verantwortlich für ihren Zustand. Doch ihre Freundin mit der Likörflasche ist erst 17: Prompt versickert die rote Flüssigkeit in den Pflasterfugen. "Da lassen wir uns gar nicht auf die Diskussion ein, ob sie die Flasche bloß kurz gehalten hat", sagt Ehlsen. "Dann würden die Flaschen nur im Kreis rumgereicht."

Ehlsen und seine Mitstreiter verstehen sich aber nicht als Spaßbremsen. Auftrag der aus Polizei und Pädagogen bestehenden Kontrollgruppen ist es, die Jugendlichen aufzuklären, zu ermahnen und vor sich selbst zu schützen. "Noch vor zehn Jahren haben die Jugendlichen nicht so offen und so offensiv getrunken", hat Ehlsen beobachtet. Der Gruppendruck spiele eine Rolle. Und noch etwas hat sich geändert: "Die meisten Feststellungen machen wir bei Jugendlichen von außerhalb, vor allem aus der Südpfalz." Die Mainzer kennen die Aktionen wohl schon. Und in Wiesbaden und Worms werden trinkfreudige Jugendliche inzwischen von der Polizei abgefangen, bevor sie in den Zug nach Mainz steigen.

Nicht im Stich lassen

In der Bahnhofstraße läuft den Kontrolleuren ein Milchgesicht mit einer Bierflasche in die Arme. Der 15-Jährige hat sie von zwei volljährigen Kerls mit Bierkästen im Schlepptau. Die lernen jetzt: Sie dürfen ihre legal erworbenen Vorräte nicht an Minderjährige weitergeben. Die Stadt kann das als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld belegen. Ob das all den 18-Jährigen klar war, die am Morgen im Supermarkt am Hauptbahnhof Hochprozentiges für ganze Gruppen gekauft haben? Vielleicht war es ihnen auch egal.

Angetrunkene Jugendliche werden nicht im Stich gelassen. Ihre Eltern werden verständigt und je nach Verfassung kommen sie ins Sanitäter-Zelt oder in die Jugendschutzstelle, die dieses Jahr in der Eisgrubschule ist. Dort wird Doreen Becker, im Haus des Jugendrechts zuständig für Kinder- und Jugendschutz, bis zum Abend vier Jugendliche betreuen.

Insgesamt haben die Jugendschutzstreifen am Rosenmontag 544 Personen kontrolliert, 174 mal Alkohol und Zigaretten beschlagnahmt und 120 Liter Alkohol vernichtet. Wegen aggressiven Auftretens wurden 50 Personen streng ermahnt.

Claudia Renner

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