Mainz. Weck, Worscht und Woi – „was ist das“, fragt Prinzessin Theresa I. Auch Prinz Marco I. muss bei dieser Frage passen. Die Fastnachtsmajestäten des Treffurter Carneval-Vereins, die gestern in Mainz inthronisiert wurden, fremdeln noch etwas mit den hiesigen Gebräuchen.
In ihrem Heimatort begrüßen sie die fünfte Jahreszeit mit Thüringer Rostbratwürstchen, dem dortigen „Nationalgericht“. Dennoch beteuern die beiden unisono: „Wir feiern zu Hause Karneval nach Mainzer Art.“ Schließlich sei Mainz ja früher einmal Landesherr gewesen.
Dem wollen wir doch gleich mal mit Fragen auf den Zahn fühlen. Also: In Treffurt wird der Kampagnenauftakt vereinsintern in kleiner Runde gefeiert. Nix mit Trubel in der Stadt. „Ich wollte die Inthronisierung deshalb gern in einem großen Rahmen genießen“, sagt Theresa und schunkelt vergnügt mit ihrem Prinzen zu den Fastnachtshits. Die werden in ihrer Heimatstadt auch gespielt. Vor allem die Mainzer Hofsänger gehören zu den Idolen der Gäste.
Dann ist aber fast schon Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Eine eigene Garde hat die 19-jährige Prinzessin nicht. Zu ihrem Schutze stehen drei „Hoppditze“ Gewehr bei Fuß. In den Kostümen ähneln sie sehr dem „Till“. Doch der ist in der Treffurter Fastnacht eine unbekannte Größe. Bajazz? Fehlanzeige Dafür wirbelt Theresa, wenn sie nicht gerade Hof hält, als Funkenmariechen über die Bühne. Hallo! Das ist aber so ganz und gar nicht meenzerisch. Überhaupt: Die Prunksitzung des Vereins geht am „Karnevals“-Samstag über die Bühne, der Rosenmontagszug rollt in Treffurt am Sonntag, der Montag bleibt dem närrischen Nachwuchs mit einem Umzug vorbehalten – bis auf den Maskenball am Abend. Auch die Repräsentationspflichten des Narrenadels sind anderer Natur als in Mainz. Stadt huldvollem Lächeln verteilen die Majestäten Orden bei der Prunksitzung.
Was der jungen Dame an der Mainzer Fastnachtgefällt? „Das Traditionsbewusste und die Farbenfreude“, schwärmt sie. Und diese Vorzüge will sie denn auch nach der Inthronisierung noch so richtig genießen. Allerdings nur bis 18 Uhr. Dann machen sich die 45 närrischen Vertreter aus Treffurt auf den Weg in die Heimat. Doch Zum ersten Mal auch mit Weck, Worscht und Woi. sj