Helau-Zwang für Mainzer Schüler?

Mainz -  Darf eine Schule einen Fastnachtsumzug zur Pflichtveranstaltung für alle Schüler machen? Quasi ein Helau-Zwang in der fünften Jahreszeit?

  • (Foto: Michael Bellaire)

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Eltern an der Gonsenheimer Maler-Becker-Schule haben jetzt einen Brief der Schulleitung erhalten mit dem Hinweis, dass beim Umzug am Fastnachtssamstag in Gonsenheim eine Anwesenheitspflicht für alle Kinder der Grundschule besteht. "Sollte Ihr Kind nicht teilnehmen können, muss es schriftlich entschuldigt werden", heißt es in dem Rundschreiben an die Eltern.

Dies sorgt zumindest bei einigen von ihnen für Kritik: "In Bayern darf man keine Kreuze in Schulen aufhängen, aber hier müssen die Kinder an Brauchtumsumzügen teilnehmen", wundert sich eine Mutter. Sie möchte nicht öffentlich dagegen rebellieren, "weil die Kinder sich ja im Unterricht darauf vorbereiten und sich auch darauf freuen". Aber die Art und Weise - "der Zwang" - gefällt ihr gar nicht.

Rein rechtlich gibt es keine Bedenken, wenn solche Veranstaltungen im Einvernehmen zwischen Schulen und Eltern erfolgen und wenn es dafür einen schulfreien Ausgleichstag gibt. Beides ist in Gonsenheim der Fall.

Schulleiterin Sandra Schneider betont, dass die Kinder nicht gezwungen werden: "Wenn die Eltern eine Entschuldigung einreichen, sind die Kinder entschuldigt." Aber der Umzug sei eine schulische Veranstaltung und fördere den Zusammenhalt der Kinder. "Wenn 450 Maler-Becker-Schüler am Fastnachtssamstag als Eisbären verkleidet durch die Straßen von Gonsenheim ziehen und bejubelt werden, ist das ein tolles Gefühl für die Kinder."

Schulelternsprecherin Nina Voborsky: "Die Teilnahme am Umzug an Fastnachtssamstag hat eine lange Tradition. Und es ist eine gute Tradition." Der Schulelternbeirat organisiert jedes Jahr im Anschluss an den Umzug ein Fest im Hof der Schule, "bei dem wir ganz Gonsenheim bewirten", berichtet die Elternsprecherin. Das Fest sei eine einzigartige Gelegenheit, die Schule im Ort zu präsentieren. Die Teilnahme am Umzug fördere zudem den integrativen Charakter der Schule. Zu den kritischen Stimmen aus der Elternschaft sagt sie: "Das sind wahrscheinlich Eltern von Erstklässlern. Sie sollten sich an uns wenden. Wir sind ihr Sprachrohr und die Vermittler."

Eine Teilnahmepflicht an anderen Umzügen ist Jürgen Schmidt, Chef der Touristik-Centrale Mainz, nicht bekannt. Schmidt organisiert am gleichen Tag, am Fastnachtssamstag, den großen Mainzer Jugendmaskenzug. Und da entscheidet "jede Schule, jede Kita und jede andere Gruppe von Jahr zu Jahr neu, ob sie teilnehmen", berichtet Cathrin Tronser, Schmidts Stellvertreterin. "Manche Schulen nehmen im Rhythmus von zwei oder drei Jahren teil, manche sind immer dabei."

So waren voriges Jahr 17 Schulen mit 2000 Kindern unterwegs. In diesem Jahr machen 11 Schulen mit 1600 Kindern mit. Das wirkt sich auch auf die Gesamtteilnehmerzahl aus. 3900 Kinder waren voriges Jahr beim Jugendmaskenzug in Mainz auf den Beinen, in diesem Jahr sind es 3200 Kinder. Armin Thomas

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