Bad Kreuznach - Wenn es zur Herrensitzung der Großen Karneval Gesellschaft (GKGK) geht, dann ist die Erwartungshaltung stets hoch. Das wissen die Aktiven des Traditionsvereins sehr wohl und stellen sich dieser Herausforderung nur allzu gern. Und so präsentierten sie in diesem Jahr einmal mehr ein Programm, das in Teilen etwas anzüglich war, aber doch immer auf hohem Niveau. Eine bloße Aneinanderreihung von Witzen war nicht zu erwarten und wurde auch nicht geboten.
Jungfräulich kam Vize-Präsident Helmut Schmidt in die Bütt, nachdem sich in der vergangenen Kampagne Heinz Jürgen Mai als Protokoller verabschiedet hatte. Zwar heiße das Modewort derzeit „Krise“, doch lasse man sich die Fassenacht dadurch nicht „vermiese“, wusste Schmidt den Frohsinn trotz aller kommunaler und weltpolitischer Widrigkeiten zu starten. Und auch die Winzenheimer würden sich freuen, weil mit der geplanten Fusion von Bad Kreuznach mit Bad Münster endlich mal andere die Deppen wären.
Als Feuerwehrmann, der am liebsten das Finanzamt brennen sehen würde, um „Dienst nach Vorschrift“ zu verrichten, stand Markus Müller auf der Bühne. Und Jochen Merz aus Hargesheim persiflierte als Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer nicht nur die aktuelle Tagespolitik, sondern auch ihren Mann „Günni“. Auf eine Fahrt mit dem „ICE Hildegard von Bingen“ von Berlin nach Rom über Hannover, Mainz, Bad Kreuznach, Bad Münster und Paris nahm Heinz-Jürgen Mai das närrische Publikum mit, und er stellte fest, dass inzwischen Frauen an allen Fronten vertreten sind. So sei in Bad Kreuznach die „blonde Heike“ als OB eingeführt worden und mit der „schwarzen Heike“ regiere nach 163 Jahren eine Frau den VfL 1848.
Mike Pfaff von den Weisse Fräck war als Diamantschleifer zu erleben, und Dr. Karl Kuhl begeisterte einmal mehr mit kunstvollen Wort- und Silbendrehereien das närrische Auditorium. Bernhard Knab aus der Mainzer Fassenacht gab ein wunderbares Gastspiel als „Deutscher Michel“. In seinem Vortrag nahm er vor allem die Landespolitik aufs Korn. Ganz anders Stefan Orf, der als Domina in Lack, Leder und Strapsen sein Wehleid über die unmöglichsten Männerwünsche klagte. Von der Fidele Wespe gab es dann noch Kreuznacher Liedgut zu hören. Da wurde aus Foreigners „Urgent“ ein „Uffs Örtsche“ oder aus dem Rolling-Stones-Hit „Angie“ die Zeile „Eh' Hähnsche“. Elvis Presleys „In the Ghetto“ texteten die Narren dann zu „Is de Gerd do?“ um.
Mit von der Partie war natürlich auch die Prinzessinnengarde mit einem Gardetanz und einem schicken Showtanz. Ein fantastisches Bild auf der Bühne gab es beim gemeinsamen Auftritt der Prinzengarde mit dem Trommler- und Fanfarencorps der Mainzer Ranzengarde in ihren prächtigen Kostümen. Zwischen beiden Garden besteht seit vielen Jahren eine intensive, freundschaftliche Beziehung. So konnte Sitzungspräsident Günther Neuhaus nach dem knapp fünfstündigen Programm resümieren: „Männer, das war doch ein wirklich schöner Owwend!“
Von unserem Mitarbeiter Rolf Müller