Mainz: Fastnacht macht der Wirtschaft Spaß

Mainz - 51,6 Millionen Euro wechseln im Laufe einer Fastnachtskampagne in Mainz ihren Besitzer. Das ist das Ergebnis einer Studie, mit der Dirk Flaxmeyer, 27-jähriger Student der Fachhochschule, seinen Master-Abschluss absolviert hat. Dazu hat er die 14 größten Mainzer Fastnachtvereine und Garden befragt sowie die Hotellerie, Taxiunternehmen und andere Geschäftszweige, die mit der Fastnacht Geld verdienen.

  • (Foto: p)

Die Zahlen wurden von Mai bis Dezember 2011 erhoben und beziehen sich auf die Kampagne 2010/2011. Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit dem städtischen Wirtschaftsdezernat und der Touristik Centrale Mainz (TCM).

10 000 zusätzliche Übernachtungen beschert die Fastnacht der Mainzer Hotellerie durch die Sitzungsbesucher, erläuterte Flaxmeyer. Mit eingerechnet hat der Betriebswirtschaftsstudent dabei auch, dass am eigentlichen Fastnachtswochenende weniger Gäste in den Hotels übernachten als im übrigen Jahr. "Die Hotellerie profitiert von der Saalfastnacht mehr als von der Straßenfastnacht", erläuterte dazu Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP). Die Mainzer Umzüge werden vorwiegend von Menschen aus der unmittelbaren Region besucht, analysierte TCM-Geschäftsführer Jürgen Schmidt. Mit Köln sei dies nicht vergleichbar, weil dort die Menschen an Rosenmontag von weither anreisen.

Insgesamt profitiere auch die Stadt von den Einnahmen, die durch die Fastnacht erwirtschaftet werden. Etwa ein bis zwei Prozent an Steuergeldern fließe an sie zurück, sagte Schmidt bei der Präsentation der FH-Studie. Sitte wies aber auch darauf hin, dass die Stadt sich ebenfalls finanziell beteiligt. So tragen Mitarbeiter des Ordnungsamtes, des Jugendamtes ebenso zum Ablauf des Rosenmontagszuges bei wie am Ende stets die Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs.

800 000 Menschen haben im vorigen Jahr die elf Umzüge in Mainz und in den Stadtteilen besucht, hat Flaxmeyer hochgerechnet. 73 814 zahlende Besucher sind zu Veranstaltungen in die Säle gekommen. Bei seinen Erhebungen sei er eher konservativ vorgegangen, betonte der FH-Absolvent. Die realen Zahlen seien eher höher als niedriger. anzusiedeln. Und es handele sich nicht um Schätzungen, sondern um eine wissenschaftliche Studie. So rechnet Flaxmeyer, dass der Besucher einer närrischen Veranstaltung durchschnittlich 50 Euro ausgibt. Bei den Sitzungen inklusive Eintrittskarten. Diese seien zwar unterschiedlich teuer, aber als Durchschnitt darstellbar.

14 Präsidenten und Kassenwarte der Korporationen haben Flaxmeyer die Basiszahlen für seine Arbeit gegeben. Auch das ehrenamtliche Engagement hat er in Geld aufgewogen. Beispiel: Ein Vereinspräsident bringt durchschnittlich 108 Stunden jährlich auf. Wenn man ihm dafür 20 Euro zahlen würde, bekäme er 2160 Euro. Ein Kassenwart arbeitet durchschnittlich 186 Stunden jährlich für seinen Verein, wofür ihm Flaxmeyer einen Stundenlohn von 18 Euro zuschreibt. Jeder Position im Verein hat er einen Stundensatz zugeordnet.

Seine Professorinnen Andrea Beyer und Ute Diehl zeigten sich beeindruckt. Denn die Studie belege, dass Fastnacht nicht nur Fröhlichkeit bedeute, sondern einen enormen Wirtschaftsfaktor darstelle. "Lässt sich hier noch was nach oben bewegen", fragte Dezernent Sitte. Sie sagten ihm zu, dass die Fachhochschule bereit ist, das Thema weiter zu verfolgen. In Köln jedenfalls sei der Umsatz weitaus höher: 460 Millionen Euro laut Boston Consulting Group. 2,6 Millionen Euro würden dort allein für den Friseur ausgegeben.

Von unserem Redakteur Armin Thomas

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