Mainz - Er hat es "ordentlich" gemacht, "souverän", "gut", "war voll in Ordnung", "er war abber wohl e' bissje uffgereescht": So lauten am Neujahrsvormittag die Kommentare zu Günter Becks erster Amtshandlung als kommissarischer Mainzer Oberbürgermeister bis zur Neuwahl im März.
Dabei ist es alles andere als die typische Klientel des erklärten "Meenzer Drecksacks", sondern ausgerechnet der traditionelle Empfang der Garden im Rathausfoyer nach deren ebenso traditionellem Neujahrsumzug, mit dem er sich da als Neu-OB konfrontiert sieht. Und er macht tatsächlich eine gute Figur inmitten all des uniformierten närrischen Establishments, beweist Stil- und Verbalsicherheit beim allneujährlichen Pflichttermin. Wer hätte etwa jemals gedacht, dass sich der grüne OB-Kandidat und erwiesene Alternativfassenachter mal von keinem Geringeren als Dr. h.c. Johannes Gerster, seines Zeichens Generalfeldmarschall der 2012 175-jährigen Ranzengarde und frei von jeglichem Verdacht links-alternativer närrischer Umtriebe, mal einen Orden umhängen lässt?
Gespickt mit ein paar Münzen als personifizierte Kassenlage der Stadt Mainz gibt der Gonsenheimer fassenachtsideologisch neutral vor Stadt-, Generalfeld- und sonstigen Marschällen, Offizieren, Präsidenten, Komiteetern, Gardisten, Ortsvorstehern und allerlei niederem närrischem Volk die Audienz, schunkelt und reimt. Die passenden Verse hat er dabei, in denen er nicht nur die jubilierenden Korporationen grüßt. "Im Rathaus ging etwas zu Ende: Der OB Beutel ging in Rente. Doch Fassenacht die kann nit warte', der Stellvertreter grüßt die Garde'." Und: "Zwar ist die Stadt rein finanziell längst ein Fastenzeitmodell. Vorbei sind hier die fetten Jahre, Schönes, Teures muss mer spare. Doch trotz Ebbe in de Kass', was zählt ist Frohsinn und ist Spaß..."
Versöhnliche Worte spricht Karl Neger im Namen der Stadtmarschälle für den Vorgänger-Chef im Rathaus, der jahrelang diese Neujahrsaudienz gab: "Alle haben Jens Beutel lange hofiert, doch einige sind zum Schluss schäbig mit ihm umgegangen. Er hat eine hervorragende Arbeit für unsere Stadt geleistet. Das hat er nicht verdient!" Jochen Dietz