Koblenz - Der zweitälteste Karnevalsverein der Stadt dürfte derzeit einer der innovativsten Korporationen in der 44 Mitglieder starken AKK sein. Die Prunksitzung im Festzelt am Wallersheimer Kreisel war von zahlreichen Neuerungen geprägt - und von einer Premiere.
Dabei bewies der neue Sitzungspräsident Thomas Than wortgewaltig und schlagfertig, dass er für dieses Amt - das zu den schwersten in der hiesigen Faasenacht gehört - bestens geeignet ist.
Zahlreiche Ideen hatte der Neue eingebracht, sodass die Große Koblenzer Karnevalsgesellschaft im 165. Jahr ihrer langen und stolzen Geschichte einmal mehr eine erstaunliche Wandlung vollzieht - hin zu einem Verein, der auch vor viel Prominenz ausgelassen feiern kann, ohne dabei die närrischen Bosheiten zu vergessen. Das bekam vor allem Ministerpräsident Kurt Beck zu spüren, dem Protokoller Georg Spross entgegenschleuderte: "Das OVG muss weg, dann aber bitte zusammen mit Beck!" Doch als der Landesvater später den opulenten Sessionsordnen der "Gruuße" erhielt, war die Welt wieder in Ordnung. Dennoch rieb sich so mancher Geck verwundert die Augen, denn vieles hatte man so noch nicht gesehen. So fehlten zum Auftakt die Remagener Stadtsoldaten, dafür gab es Guggemusik mit Gugge’ mer’ ma’ aus Bad Ems. Und im weiteren Verlauf der Sitzung kamen neue Kooperationen zum Tragen. So hat die "Gruuße" gemeinsam mit der Dähler Narrenzunft Bornskrug ein Männerballett auf die Beine gestellt - ein Novum in der Vereinsgeschichte. Als dann noch die Kirchweihbuam Hasenheide aus Neumarkt in der Oberpfalz Schuhplattler tanzend die Bühne enterten, glich das einer Revolution. Sei’s drum: Den Narren gefiel das sehr gut. Eingefädelt hatte das Ganze Stefan Wingen, Geistlicher in Neumarkt und Sohn des neuen Ehrenmitgliedes und Chef der Hotzels, Leo Wingen. Und als später Torty de Banana und zum Finale die Altstadtpänz die Stimmung anheizten, war die närrische Party komplett.
Auch bei den Rednern gab es eine Premiere. So feierte Jürgen Maurer aus Mülheim-Kärlich einen gelungenen Einstand. Freilich konnte beim Thema "Bauer sucht Frau" nicht viel schiefgehen. Albert Esser bewegte sich mit der Buga-Bilanz und einer Moddersproch-Nachhilfestunde auf hohem Niveau - und belebte dann auch noch mit Jonas Solbach und Leo Wingen die Hotzel-Kapelle neu.
Dass der Traditionsverein auch tänzerisch gut aufgestellt ist, versteht sich inzwischen von selbst. Solomariechen Nadine Alsbach, das Tanzpaar Julia Wilsdorf und Librando Wionczek, Kindershowtanz, Gardetanz sowie der bejubelte Showtanz "Dschingis Khan" würzten die gelungene Sitzung.
Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach