03.02.2012 - 12:01 Uhr
Chefin des Karnevalsklubs steckt sehr viel Energie in die Kampagne
Meisenheim - Die beiden Fassenachter Inge und Uwe Weyand legten vor 31 Jahren ihrer Tochter die Liebe zur Fastnacht mit in die Wiege. Im Meisenheimer Carneval-Club (MCC) machte Susanne Weyand schließlich Karriere, begann als Bühnenschieberin, half als Bedienung, wurde Beisitzerin im Vorstand und Vorsitzende. Eine Karriere nach amerikanischem Vorbild – vom Tellerwäscher zum Millionär –, natürlich nur im Kleinen? Die MCC-Chefin lacht: „Meine Karriere bringt mir aber kein Geld ein. Im Gegenteil: Da muss man Geld mitbringen.“
Der zu früh verstorbene Vater von Susanne Weyand, ein unvergessenes Meisenheimer Urgestein, wäre sehr stolz auf seine Tochter. Als Dirk Haas den MCC-Vorsitz niederlegte, wollte keiner die Nachfolge übernehmen. Susanne Weyand konnte dem Niedergang des Vereins nicht zusehen und entschied sich spontan: „Bevor der MCC kaputtgeht, mach' ich den Job.“ Schnell merkte die neue Chefin: „Das ist alles nicht so einfach. Es hängt viel dran. An was so alles gedacht werden muss, ist schon enorm.“ Vorgänger Dirk Haas und der Vorstand unterstützten „die Neue“ von Anfang an. „Gottseidank, dann bin ich nicht so allein“, freut sie sich.
Seit Wochen ist sie im Dauerstress. Neben dem anstrengenden Beruf als zahnmedizinische Fachangestellte in einer Bad Sobernheimer Praxis ist die Beanspruchung als Leiterin eines rund 200 Mitglieder umfassenden Vereins groß. „Für den MCC bleiben die Woche über nur die Abende“, und die sind mehr als prall gefüllt und können lange dauern.
Die Zusammenarbeit mit Sitzungspräsidentin Petra Neumann und mit der Organisatorin des Meisenheimer Fastnachtsumzugs, Gabriele Lessing, ist vorbildlich. „Schade nur“, sagt Susanne Weyand, „dass die erste Sitzung nicht ausverkauft war.“ Woran lag's? Die Gründe sind wahrscheinlich vielfältig: Mehrere Stammgäste feierten zeitgleich den 80. Geburtstag von Stadtratsmitglied Engelbert Lenz; die „nicht glückliche Kooperation“ mit dem TV Raumbach in der vergangenen Session hat ihre Spuren hinterlassen; und manche potenziellen Besucher waren von der neuen Regelung mit den Tischkarten nicht begeistert.
Aber das MCC-Team lässt sich nicht entmutigen. Die zweite Sitzung am morgigen Samstag ist ausverkauft. Was zeichnet die Meisenheimer Fastnacht aus? „Die Vielfalt“, betont Susanne Weyand. Die traditionelle Zusammenkunft am 11.11., die beiden Kappensitzungen im Gemeindehaus, die Kinderfastnacht, der Umzug und der Rundgang der Altweiber am Dicken Donnerstag – das muss von dem relativ kleinen MCC zuerst einmal gestemmt werden.
Die Vorsitzende ist auch auf die Kreativität der Mitglieder angewiesen. Beispielsweise kam das Motto für die aktuelle Fastnachtskampagne aus der Generalversammlung: „Kommt und taucht alle mit uns ein – dieses Jahr wird die Fastnacht ‚Unter dem Meer’ sein.“ Leider sind herausragende Büttenreden, die sich mit lokalpolitischen Dingen befassen, in Meisenheim eher Mangelware. „Nicht viele Leute können gute Reden schreiben, und vielleicht wollen es sich manche Narren nicht mit den Obrigkeiten verscherzen“, vermutet Susanne Weyand.
Sie hat in diesen Tagen keine Zeit für ihre anderen Hobbys. Bücher lesen und Kinobesuche müssen auf spätere Zeiten verschoben werden. Jetzt freut sich die 31-Jährige erst mal auf ihren Auftritt bei der zweiten Sitzung am Samstagabend. Bei den „Hausfrauen“ mischt sie fleißig mit. „Das wird wieder klasse“, ist sie sich sicher.
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So jung, und schon so viele Orden! Die sympathische Susanne Weyand kommt aus einer Fassenachterfamilie. (Foto: Klaus Dietrich)
Von unserem Redakteur Klaus Dietrich